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Historischen Depressionen

Reale Wirtschaftsgeschichte. Damit wir nicht diese Erfahrungen selbst wiederholen müssen.

Neu: 2015-03-22:

[16:30] Leser-Kommentar-DE zum gestrigen Kroatienbericht:

Dieser Bericht war sehr wertvoll. Natürlich kennt ein "alter" HG - Leser das meiste davon schon. Aber es zeigt einem immer wieder auf, wie scheinbar leicht es dann in diesen Zeiten ein vorbereiteter Hartgeldler im Gegensatz zu einem völlig hilflosen Gutmensch hat. Er weiß dann schon immer scheinbar vorher, was zur jeweiligen Zeit zu tun ist. Es sind die kleinen, unscheinbaren Details, die dann den Erfolg ausmachen. Deshalb auch jetzt meine Mahnung an alle "jungen" HG - Leser: Ganz wichtig ist auf Hartgeld.com das Denken zu lernen. Selbständiges Investoren - Unternehmer - Denken. Bitte fragen sie nicht WE noch danach, wie man sich denn den Hintern abwischen soll, wenn das Toilettenpapier ausgegangen ist.

Denn ein ganz entscheidenden Punkt werden wir im Gegensatz zu damals in Kroatien nicht haben: Ein funktionierenden Ausland. Wo alles, was fehlt, irgendwie über die Grenze kommt (Lebensmittel, Währung, etc.). Wenn es diesmal zum ganz großen Knall kommt, passiert etwas, das es in der Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben hat: Die ganze Welt ist gleichzeitig pleite, keiner kann dem anderen helfen.
Deshalb wird es nicht so harmlos ablaufen wie damals in Kroatien. Jeder Staat muß sich dann selber helfen, jede Kommune muß sich selber helfen, jeder Mensch muß sich selber helfen. Einige Leser hier haben das "allinclusive - Denken" unserer heutigen Gesellschaft noch nicht ganz überwunden. Sie haben nicht mehr viel Zeit dafür.

[17:15] Damals gab es auch noch einigermassen funktionierende, staatliche Strukturen, die für Sicherheit sorgten. Das werden wir nicht haben. Und wir haben unendlich viele Sesselfurzer mit 2 linken Händen für alles Praktische.WE.

[17:30] Der Mexikaner zu den 2 linken Händen:

Die Hanseln mit 2 linken Haenden werden sofort verhungern. Die Sicherheit wird ein riesen Problem, vor allem ob der mangelnden Vorsorge bei fast allen Neubauten (Fenster bis zum Boden, nicht gesicherte Eingaenge, niedrige Zaeune). Wenn dann die Asylhorden ausschwaermen, gute Nacht, dann gehts wirklich nur mit Fluchtburg oder Wohnsitz am Land.


Neu: 2015-03-21:

[13:30] Leserzuschrift-DE: Hyperinflation und Krise im Kroatien der 1980er/1990er Jahre:

Ein paar Worte zu mir. Ich bin 1970er Jahrgang und hatte in meinen Teenagerjahren die Gelegenheit eine Hyperinflation mit folgender Währungsreform und politischem Crash zu erleben. Mein erster Versuch, Silber zu kaufen scheiterte als ich als 12jähriger versuchte, bei der örtlichen Spaßkasse in München einen 100 Grammbarren zu erwerben („wir haben da was viel besseres für Dich!"). In den Augen der mich umgebenden Gesellschaft, habe ich einen bedingten Unberührbarkeitsstatus, da ich mein Geld durch Ausübung eines Handwerks verdiene. Als ich mich vor Jahren selbständig machte, wurde ich entsprechend gewarnt, doch nicht so leichtsinnig zu sein, meinen sicheren Job dafür aufzugeben. Worin die Sicherheit denn läge, da ich als Angestellter letztlich doch das Risiko meines Chefs trage wurde mir erwartungsgemäß nie beantwortet. Heute sind manche Freunde mit guter Ausbildung/Studium und ehemals sicheren Jobs arbeitslos. Mein Geschäft läuft gut.

Ich habe insgesamt ca. drei Jahre in Kroatien verbracht, den größten Teil davon in der Zeit der Inflation und den Krisenjahren danach. Da ich nicht als Tourist dort war, sondern im erweiterten Familienkreis, habe ich einige Einblicke in das Wesen dieses abschmierenden Sozialismus bekommen. Und ja, heute hier in D unterscheiden sich die Sprüche aus der MSM-Propaganda immer weniger. Damit´s nicht noch länger wird, beschreibe ich meine Beobachtungen und Erfahrungen in Themenbereichen. Teils sind diese durchaus positiv, ja richtig gehört, für den, der sie zu erkennen vermag, stecken auch reichlich Chancen drin!

Preise/Geld/Währung:
Mein erster Aufenthalt in Kroatien/Yugoslawien dauerte nur vier Tage. Für eine vierköpfige Familie reichten damals 600.- schwarz getauschte YugDin für Wohnen und Essen, für alles. Fünf Jahre später reichte der selbe Betrag für ein Hauptgericht, ohne Beilagen und Getränke, Ende der 80 Jahre nur noch für eine Cola und dann für gar nichts mehr.

Als 17jähriger verbrachte ich dort einen langen Sommer und hatte auch irgendwann auch einige Spezln aus Deutschland zu Besuch, die meist für ein paar Wochen blieben. Bei uns wurde es üblich, das gewechselte Geld mit einem Gummi zusammenzurollen und in der Brusttasche vom Hemd aufzubewahren. Geklaut hätte die Lappen eh keiner und die Rollen wurde immer dicker, das schafft auf Dauer kein Geldbeutel. Mit 17 war ich das erste Mal in meinem Leben Millionär, die Scheine wurden größer und länger, die Nullen darauf auch immer mehr.

Meine Spezln waren allesamt natürlich viel cooler als ich, waren aber und sind bis heute angepasste linke Schisser und Großmäuler, die nur funktionieren und an die staatliche Propaganda glauben. Eigene Denkleistungen? nee, lieber nicht. Da es mir Spaß machte kroatisch zu lernen, hatte ich viele Vorteile auf meiner Seite. Schwarz Geld zu wechseln, war für die meisten absolut tabu, da verboten. Die Bankkurse waren die Richtlinie, wer schwarz gewechselt hat, bekam leicht 20% extra. Die anderen haben es sich nicht getraut, ich hab´s gern übernommen. In dem Sommer bin ich fast jede Woche in der Stadt Hvar auf dem Obst- und Gemüsemarkt in Sichtweite der örtlichen Polizeistation mit eingesammelten DM 1000.- bis DM 1500.- zum Wechseln gegangen. Hinterher brüderlich geteilt, 10% bekamen meine Spezln, die anderen 10% waren meine Provision. Im Klartext heisst das, dass ich mit einem Zeitaufwand von unter 10 Minuten als 17jähriger den Wochenverdienst eines yugoslawischen Arztes bekam.

Angst vor der Polizei hatte ich nicht. Warum auch? Sollte ein kroatischer Polizist, der auch eine Familie zu versorgen hat und die Händler am Markt genauso braucht wie andere auch, mir und den Händlern am Markt Ärger machen um das Geld dann an die sozialistische Zentralregierung abgeben zu müssen? Auch in der damaligen Krise hieß es bereits zurück zum Stamm. So leicht war es nie wieder, so schnell reichlich Geld zu verdienen!

Mit YugDin konnte man alles Alltägliche kaufen, für Autos, Waschmaschinen, Außenborder etc. waren D-Mark oder Dollar nötig. Immobilien gingen teils mit Devisen, teils mit EM. Was dort damals „Maraka" und „Dolara" (D-Mark & US-Dollar) gewesen sind, wird dieses Mal Gold und Silber sein. Damals hatte aber zumal die DM noch einen verlässlichen Wert, war also als Ausweichwährung ideal.

Versorgung mit alltäglichen Dingen:
Eigentlich gab es alles was zum Leben gebraucht wurde, manches war aber unbeschreiblich teuer und für Normalverdiener fast unerschwinglich. Ein Arbeiter mit umgerechnet DM 300.- Monatslohn hat sich den Kauf einer Zahnbürste für umgerechnet DM 3.- sicher gut überlegen müssen. Als die Krise schlimmer wurde, gab es auch immer mehr Versorgungsengpässe. Mal gab es kein Klopapier, ein anderes Mal wochenlang keine Milch.

Wer geschickt die Preiserhöhungen abgepasst hat, konnte evtl. übriges Zettelgeld in irgendwelche haltbaren Waren tauschen, bevor die nächste "Preisanpassung" durchgeführt wurde, die Artikel wurden dann halt eingelagert und verbraucht oder gegen anderes getauscht. Allgemein wurden inländische Alltagsprodukte eher günstig angeboten, zumal in den staatlichen Supermärkten, Importware wurde zum unbezahlbaren Luxus. Wer nach dem Urlaub zurück in Deutschland Kohle machen wollte, hat einfach seine restlichen YugDin in Medikamente umgewandelt, auf die hat der Zoll nicht so sehr geachtet, die waren um bis zu 90% günstiger als in D-Land, gleicher Hersteller, gleiche Zusammensetzung, nur anderssprachig beschriftet. Zigaretten zu schmuggeln war eher dämlich, geringe Wertdichte und viel zu auffällig, das hat auch der dümmste Zöllner sofort gefunden.

Mit zunehmender Verschärfung der Krise hat sich die Landbevölkerung auch wieder die Mühe gemacht, selbst kleinste Grünstreifen in Gemüsebeete umzuwandeln. Wo auch immer ein oder zwei m² frei waren, wurde irgendein Grünzeug zum Essen angepflanzt. Da die ländliche Bevölkerung dort sehr bodenständig, katholisch und fleissig ist, sind die dort verhältnismäßig gut über die Runden gekommen. Der Tourismus war für mehrere Jahre komplett ausgefallen, und vor allem auf dem Land wurde nur noch in der Familie gearbeitet. Es war ein häufig gehörtes Statement, nur noch in der Familie zu arbeiten z.B. im eigenen Weinberg, dass die Ertragskraft ungeteilt der Familie zukommen soll und nicht durch Steuern und Sozialabgaben für die verhassten Umverteilungen in die südlichen yugoslawischen Regionen. Alle hatten plötzlich sehr viel Zeit, also wurde versucht mit einfachen Mitteln das Haus in Ordnung zu bringen, Bücher waren bald begehrt wie nie.

Energieversorgung:
Zu dieser zeit gab es keine Handys und PC, nur die Glotze war für viele heilig und somit ein großer Energieverbraucher. Der meiste Strom ging für die Warmwasserversorgung drauf, da meist mit Boilern das Warmwasser erzeugt wurde. Aber im Sommer kam selbst das kalte Wasser eh so warm aus der Leitung, so das ich wie viele andere auch immer kalt geduscht habe. Als der Damm des Wasserkraftwerks Peruca einen Treffer durch serbischen Beschuss abbekam, wurde die Stromversorgung in der Region Split drastisch eingeschränkt, was aber nur für Kühlschränke und Waschmaschinen wirklich problematisch war. Gekocht wurde auf Gas mittels Propangasflaschen ähnlich unseren 11KG Flaschen, reicht selbst für Familien monatelang und ist spottbillig. Es gab dann nur noch sporadisch für mehrere Stunden pro Tag Elektrizität, keiner wusste wann, also blieben Kühlschränke und Waschmaschinen startklar eingeschaltet und man hoffte darauf, das der Strom lang genug lief bis die Wäsche fertig war. Die eher geringe Stromabhängigkeit war ein Segen, bei uns wird´s um einiges schlimmer werden. Auf jedem Tisch standen Kerzen und Streichhölzer, auch an vielen Stellen im Haus, die man sich merken musste um nicht lang herumzustolpern.

Heizung:
Ein Kanonenofen in der Wohnküche musste reichen, mehr gab´s nicht. War gemütlich und gesellig, ein solches gemeinsames Leben kennt hier heute kaum einer mehr. Mir hat dabei nichts gefehlt, auch wenn das Bett am Anfang erst mal verdammt kalt war.

Immobilien:
Häuser und Wohnungen wurden in der Krise und den ersten Jahren danach wie Sauerbier angeboten, die Preise völlig im Keller. In der Altstadt von Hvar gab es 3-Zimmerwohnungen in guter Lage für rund DM 10.000,- Vergleichbare Wohnungen wurden dann ab der Jahrtausendwende für bis zu € 200.000,- verkauft. Die Einen wurden damit schnell sehr reich, anderen ist aber auch viel Geld entgangen, da sie immer noch mehr herausholen wollten und dann die guten Phasen verpasst haben.

Fazit:
Wer entsprechend selbständig handeln kann, hat selbst in wirklich harten Zeiten einige Chancen auf seiner Seite. Fähige Handwerker, die mit einfachen Mittel auch improvisieren können, waren immer die Kings, hatten immer genug Kohle und waren absolut gefragt. Wer sich auf die staatliche Propaganda verließ, war chancenlos, es wurde bis kurz bevor Chaos, Krieg & Krise ausgebrochen sind, stakkatoartig erklärt, das alles in bester Ordnung sei. Wäre wirklich alles in Ordnung gewesen, hätten es die Propagandamedien nicht senden müssen, entsprechend den heutigen Meldungen zur Eurorettung u.ä. Die Lebensumstände haben sich gewaltig unterschieden zwischen ländlichen und städtischen Bereichen. Zwar gab es in den Städten für Geschäftemacher wesentlich mehr Möglichkeiten, die Sicherheitslage aber war viel schlimmer. Selbstversorgende Landbewohner konnten relativ entspannt in Deckung gehen. Wer so blöd war, sein hochinflationäres Geld auf die Bank zu bringen, stand erst vor verschlossenen Türen und wurde damit beschwichtigt, er bekäme später alles ausgehändigt. Stimmte soweit auch, nur gab´s später dann bereits eine neue Währung und die alte war völlig wertlos, umsonst gespart!
Beim ersten Mal war ich durch Glück auf der richtigen Seite, dieses Mal werde ich kein Glück mehr brauchen.

PS. Kleiner Hinweis an die Immobilien-Spekulanten: Die Hypotheken haben ihre Gültigkeit behalten!

Vielen Dank für diesen tollen Erfahrungsbericht. Zusammengefasst: Importgüter waren fast unerschwinglich oder mussten in Devisen bezahlt werden. Immobilien waren in Devisen sehr billig. Die Menschen stellten mit zunehmender Krise auf Selbstversorgung = Subsistenzwirtschaft um. Kommt alles bei uns auch und noch drastischer.WE.


 

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